“Ich bin sauer” – Der Säure-Basen-Haushalt

“Ich bin sauer” – Der Säure-Basen-Haushalt

“Ich muss entsäuern” – das hört man oft. “Übersäuerung gibt es nicht” ungefähr ebenso häufig. Was ist wirklich dran am Säure-Basen-Haushalt?

Was ist der Säure-Basen-Haushalt?

Als Säure-Basen-Haushalt (SBH) wird die Regulation der Wasserstoffionen-Konzentration im Körper bezeichnet. Kurzer Ausflug in die Chemie: Für Wasserstoffionen wird auch das Wort Protonen verwendet. Prinzipiell sind Säuren Protonengeber und Basen Protonennehmer. Liegen sie in einem ausgeglichenen Verhältnis vor, ergibt sich eine neutrale Flüssigkeit mit pH-Wert 7. Unter 7 ist sauer, über 7 basisch. Der Mensch ist je nach Körperstelle sauer oder basisch! Tatsächlich lässt sich der SBH durch die Ernährung beeinflussen und ist wichtig für den problemlosen Ablauf von Stoffwechselprozessen.

Gibt es Übersäuerung überhaupt?

Die oft zitierte „Übersäuerung“ gibt es durchaus. Im Gegensatz zur seltenen akuten Acidose ist sie sehr häufig, kein medizinischer Notfall und nicht lebensbedrohlich. Es ist die chronische Acidose, eine „dauerhafte schleichende Übersäuerung“: Die Puffersysteme in Blut, Leber, Niere und Lunge können das Zuviel nicht mehr neutralisieren; der pH-Wert im Organismus fällt ab. Tipp: Zur pH-Wert-Bestimmung braucht es eine Blutgasanalyse vom Arzt, Urintests bringen nichts.

Warum übersäuert man und was sind mögliche Beschwerden?

Körperlich sehr intensive Arbeit, Laktatübersäuerung im Sport, verminderte Säureausscheidungskapazität der Niere, Diabetes mellitus, Fasten oder auch übermäßiger Alkoholkonsum tragen dazu bei. Mögliche Beschwerden sind Sodbrennen, Arthrose, Gicht, Rückenprobleme, Gallen-/Nierensteine, Bluthochdruck, Osteoporose, Magen-/Darmgeschwüre, und vieles mehr.

Welche Lebensmittel wirken säurend, welche basisch?

Säuernd wirkende Lebensmittel sind vor allem tierischer Herkunft, z. B. Fleisch und Käse, aber auch Alkohol, Linsen, Bohnenkaffee, Weißmehlprodukte, polierter Reis und Süßigkeiten. Basisch wirkende Lebensmittel sind vor allem pflanzlicher Herkunft, z. B. Haferflocken, Vollkornbrot, Bananen, Kartoffeln, Salate, Obst (auch Zitronen!), Gemüse, kalt gepresste Öle und Sojaprodukte, aber auch Mineralwasser. Die Wirksamkeit basischer Lebensmittel ist durch Studien belegt.

Welche Rolle spielt der SBH beim Sport?

Je niedriger der pH-Wert des Bluts ist, umso schlechter bindet sich Sauerstoff an das Hämoglobin im Blut. Daher sollten vor allem Ausdauersportler auf diesen Wert achten. Plus: Viel basische Kost kann sich positiv auf die sportliche Leistungsfähigkeit auswirken! Denn je höher der Hydrogencarbonat-Gehalt im Blut ist – und damit die basische Pufferkapazität –, umso schneller und mehr kann Milchsäure (Laktat) aus der Muskelzelle entfernt werden. Dadurch toleriert der Organismus intensivere und längere Belastungen bei höheren Laktatwerten. Es kommt z. B. seltener zu „schweren Beinen“ bei Leichtathleten. Profis machen daher gezielt „Soda-Loading“: eine basenreiche Ernährung in Verbindung mit einem basenreichen Mineralwasser.